Die Geschichte der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien findet ihre Anfänge im 16. Jahrhundert durch den Humanisten und Reformator Johannes Honterus aus Kronstadt/Brasov. Schon 1519 wurden Schriften Martin Luthers nach Siebenbürgen gebracht und verbreitet, doch die tatsächliche Reformation der damals katholischen deutschen Bevölkerung wurde 1542/43 aufgrund des Reformationsbüchleins das J. Honterus in Kronstadt/Brasov, in der selbstgegründeten Druckerei erstellen ließ, vollzogen.

Im Jahre 1572, als Lukas Unglerus zum dritten evangelischen "Sachsenbischof" gewählt wurde, nahm die evangelische Synode auch das Augsburger (Glaubens)bekenntnis (abgekürzt A. B.) an, das bis heute in unserer Kirche neben dem Kleinen Katechismus Dr. Marin Luthers als Lehrgrundlage gilt.

Die Reformation wirkte sich nicht nur auf das Glaubensleben der Siebenbürger Sachsen aus, sondern führte, durch die neue Kirchenordnung, zur Neuorganisierung des Schulwesens - bereits im 14. Jahrhundert als erstes europäisches Volksschulsystem mit Schulpflicht belegt - wie auch zur Belebung der Armenhilfe.

Währen der nächsten Jahrhunderte spielte die Kirche eine zentrale Rolle inmitten dieser Bevölkerungsgruppe, sowohl was das gesellschaftliche als auch das geistige und geistliche Leben der jeweiligen Gemeinde betraf, wobei der diakonische Auftrag in Sinne christlicher Nächstenliebe insbesondere durch die sogenannten Nachbarschaften wahrgenommen wurde. Der Pfarrer war neben dem Bürgermeister die wichtigste Person im Dorf und hatte ein entscheidendes Wort zu sagen.

Fast die gesamte deutsche Bevölkerung in Siebenbürgen bekannte sich zum evangelischen Glauben und auch die Gegenreformation, die ende des 17. Jahrhunderts mit Hilfe der österreichisch habsburgischen Verwaltung und dem Rückhalt von kaiserlichen Truppen über das Land zog, änderte daran wenig. In vielen der Ortschaften, des damals in Europa integrierten Siebenbürgen, stehen gothische Kirchen und ehemals evangelische Schulen als Zeugen einer gedeihenden Kust und Kultur.

Mit dem zweiten Weltkrieg und seinen ideologischen Wirren begann der Niedergang der deutschen Kultur und Bevölkerung in Siebenbürgen. Durch das Kriegsschicksal und auch die Deportation nach Rußland wurden Familien auseinandergerissen. Manch eine Verwandschaft hatte nun Angehörige in Deutschland. Auf dem Hintergrund der dunklen Jahre des Kommunismus setzte unter dem Stichwort Familienzusammenführung die Auswanderung ein. Immer mehr Kirchenmitglieder entschieden sich für diesen damals beschwerlichen Weg und meist sehr langwierigen Weg.

Doch die tatsächliche "Flutwelle" kam nach 1989, als der größte Teil der Siebenbürger Sachsen massiv nach Deutschland auszogen, wodurch sich viele der evangelischen Gemeinden praktisch entvölkerten. In vielen Dörfern stehen die Kirchen innerhalb der zur Abwehr gegen die Türken im16. Jahrhundert erbauten Burgen nun leer da, mancherorts dem Verfall preisgegeben. In den Städten hingegen hat sich ein größerer Kern der deutschsprachigen evangelischen Gemeinden erhalten und pflegt Frömmigkeit und Tradition der Kirche weiter.

Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien zählt nun die Bukarester Gemeinde zu einer ihrer bedeutendsten. Das rege Leben und die vielfältigen Aufgaben werden von den zwei Pfarren nur schwer bewältigt. Trotz der Tatsache, daß ein großer Teil der rund 1000 Mitglieder Rentner sind, wird die Hoffnung auf das Bestehen und die Weiterentwickelung der Gemeide durch die immer wieder dazukommenden jungen Menschen, die motiviert mitmachen, aufrechterhalten.